Städtische Spiel- und Festhaus in Worms
Druckgrafiken um 1890
Lutherfestspiele 1883 im Wormser Theater
Historische Aufnahmen aus dem Wormser Stadtarchiv.
Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms wurde 1889 eröffnet und war ein Theater- und Veranstaltungsgebäude. Es entstand auf Initiative von Friedrich Wilhelm Schoen, einem theaterbegeisterten Großindustriellen, dem Schriftsteller Hans Herrig und dem Architekten Otto March. Das Ziel war, möglichst vielen Menschen den Theaterbesuch zu ermöglichen, weshalb die Eintrittspreise niedrig gehalten wurden. Das Gebäude wurde im neuromanischen Stil errichtet und hatte einen kreisförmigen Zuschauerraum, der von einer Vorderbühne durchdrungen wurde.
Das Volkstheater-Konzept der Initiatoren erwies sich in der Praxis als unpraktisch, und die Vorderbühne wurde 1906 aufgegeben. Nach einem Brand im Jahr 1932 wurde das Theater wiederaufgebaut, erlitt jedoch im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden. Der Zuschauerraum brannte vollständig aus, und große Teile der Außenwand stürzten ein.
Link-Tipp:
Seit dem Ende der zwanziger Jahre zeigt der Spielplan allseits bekannte und beliebte Stücke. Schauspieler, Sänger, Tänzer, Dirigenten, Chöre und Orchester, deren Namen zumindest den Älteren noch geläufig sind, traten hier auf und werden manche Erinnerung wecken:
Paul Wegener (Wallensteins Tod)
Werner Hinz (Marguerite : 3)
Leny Marenbach (Marguerite : 3)
Hannelore Ziegler (Tanzabend)
Anna Pawlowa (Tanzabend)
Rotraut Richter (Der Himmelsmann)
Karl Böhm (Der fliegende Holländer)
Gaspar Casadó (Konzert f. Violoncello und Orchester op. 14 v. A. Dvorak)
Hermine Körner (Die erste Frau Selby)
Johann Strauß, Enkel (Ein Abend beim Walzerkönig)
Hans Schmidt-Isserstedt (Tannhäuser)
Bernhard Etté mit seinen Jazz-Sinfonikern
Sibylle Schmitz (Mississippi)
Franziska Kinz (Iphigenie, Rose Bernd)
Margarete Teschemacher
Hans Rosbaud
Paul Laven
Gastspiel des Südwestdeutschen Rundfunks u. a. m.
Am 14. Dezember 1932 brannte das Wormser Theater mitten in der laufenden Spielzeit völlig ab, während gerade das Stück „Rose Bernd“ auf dem Programm stand. Für die folgenden zwei Spielzeiten musste dringend eine Übergangslösung gefunden werden. In der Saison 1932/33 wichen die Ensembles aus Darmstadt und Mainz auf das Lokal „Karpfen“ aus, wo wegen der engen Bühnenverhältnisse fast ausschließlich Sprechstücke aufgeführt werden konnten. In der darauffolgenden Spielzeit diente das Lokal „Zwölf Apostel“ als Notbühne, und es wurden sogar Sonderzüge eingesetzt, um die Wormser Theaterfreunde zu den Aufführungen in die Nachbarstädte Darmstadt und Mainz zu bringen. Der Wiederaufbau des zerstörten Bühnenhauses und die Modernisierung des weitgehend erhaltenen Zuschauerraums dauerten von Januar bis Oktober 1934. Bereits am 28. Oktober 1934 konnte das neue Spiel- und Festhaus feierlich eingeweiht werden. Der Festtag begann am Vormittag mit einem Weihespiel des Stadtarchivars Dr. Friedrich M. Illert, das vom Mainzer Theater und Wormser Statisten umgesetzt wurde, und gipfelte am Abend in einer feierlichen Aufführung von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“.
In den darauffolgenden Jahren erlebte das Haus eine glanzvolle Blütezeit mit einem vielseitigen Programm aus Opern, Operetten, Konzerten und Schauspielen. Meisterwerke von Komponisten wie Mozart, Beethoven, Wagner und Tschaikowsky wurden ebenso bejubelt wie klassische Dramen, darunter „Wilhelm Tell“ und „Don Carlos“, oder populäre Komödien wie „Charleys Tante“. Ein besonderes Highlight waren die Nibelungenfestspiele in den Jahren 1937, 1938 und 1939, bei denen namhafte Schauspieler wie Agnes Straub und Carl Raddatz unter der Regie von Richard Weichert die gesamte Nibelungen-Trilogie an einem einzigen Abend auf die Bühne brachten. Das Theater zog regelmäßig absolute Spitzenkünstler der Epoche an, darunter den berühmten Clown Grock, Spitzen-Schauspieler wie Martin Held sowie renommierte Gesangs- und Unterhaltungsgrößen wie Erna Sack und den jungen Heinz Erhardt.
Obwohl der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 den Beginn der neuen Spielzeit zunächst verzögerte, entschied man sich nach dem schnellen Ende des Polenfeldzugs und der anhaltenden Ruhe an der Westfront dazu, den Betrieb am 27. September wieder aufzunehmen. Die Saison startete erfolgreich mit Schillers „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ und bescherte dem Theater trotz der bedrohlichen Zeiten eine lebhafte Phase mit fast durchgehend ausverkauften Vorstellungen. Der Text blickt schließlich noch auf die ersten Nachkriegsjahre voraus und erinnert an vertraute Schauspieler wie Helmut Wiedermann und Hans Joachim Saager, die mit dem Deutschen Theater in Wiesbaden und dem Stück „Uta von Naumburg“ wieder in Worms zu sehen waren.
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Darsteller dieser Zeit auf der Wormser Bühne:
Lea Piltti (Postillon von Lonjumeau; La Traviata)
Hannes Stelzer (Himmlische Brautfahrt; Opfergang)
Carl Raddatz (Opfergang; Dr. med. Hiob Prätorius)
Grock
Paul Kemp (Charleys Tante)
Martin Held (Das kleine Hofkonzert; Don Carlos)
Helge Roswaenge (Arienabend)
Manuela del Rio (Tanzabend)
Margot und Hedi Höpfner (Tanzabend)
Heinz Erhardt, Wilhelm Strienz, La Jana
(Meisterabend froher Unterhaltung)
Erna Sack (Liederabend)
Otto Gebühr (Zwischen Abend und Morgen)
Willy Reichert
u. a. m.
Das Theater im Zweiten Weltkrieg (1940–1945)haus, Kabausche-Völker.
Ab 1940/41 machten sich die Auswirkungen des Krieges in Worms durch zunehmenden Bombenalarm direkt bemerkbar. Vorstellungen im Spiel- und Festhaus Worms mussten oft abgebrochen werden, damit sich das Publikum in den Kellern in Sicherheit bringen oder nach Hause gehen konnte. Trotz der Umstände gastierten in diesen Jahren zahlreiche bekannte Künstler in Worms (darunter Harald Kreutzberg, Olga Tschechowa und Musiker aus Worms wie Helmut Vetter und Hans Kummer).
Neben klassischen Kulturangeboten wie den Opern „Die ersten Menschen“ (1943) und „Der Waffenschmied von Worms“ (anlässlich des 100. Geburtstages von Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim) missbrauchte das NS-Regime das Festhaus in den Kriegsjahren regelmäßig für politische Kundgebungen und Propaganda-Veranstaltungen der Gemeinschaft „Kraft durch Freude“. Am 21. Februar 1945 wurde das traditionsreiche Spiel- und Festhaus bei einem Luftangriff völlig zerstört und blieb als Ruine zurück.
Auch in den Kriegsjahren gastierten folgende bekannte und beliebte Künstler hier: Harald Kreutzberg, Dorothea Wieck (Reisebegleiterin gesucht...), Willi Domgraf-Faßbaender, Martin Held (Hamlet; Der Gepard; Der Engel mit dem Saitenspiel), Will Glahe mit seinem Musetteorchester, Maria von Schmedes, Erika Lindner (Tanzabend), Rotraut Richter, Ivan Petrovich, Agnes Straub (Der Wettlauf mit dem Schatten), Erna Sack, Georg Alexander (Am Teetisch), Peter Igelhoff, Olga Tschechowa, Werner Kroll, Das Prager Ballett, Erna Berger, Oswald Kabasta, Georges Boulanger, Marika Rökk, Franz Grothe, Hermann Abendroth, Rosita Serrano, Liselotte Köster, Ursula Grabley, Anneliese Uhlig und Hans Kummer, Helmut Vetter, Anni Seehaus, Kabausche-Völker.
Der Neuanfang nach dem Krieg: Die Spielgruppe Deppisch
Bereits im Sommer 1945 schlossen sich junge, kulturbegeisterte Wormser zusammen. Um überhaupt wieder Theater spielen zu dürfen, mussten sie den Alliierten gegenüber nachweisen, politisch unbelastet („keine Nazis“) zu sein und keine politisch riskanten Stücke aufzuführen.
Unter der Leitung von Hans Walter Deppisch gründete sich die Laienspielgruppe „Deppisch“. Unter extremen Bedingungen – ohne Material, Werkzeug, Heizung oder ausreichende Lebensmittel – bauten sie aus den Trümmern des zerstörten Festhaltes die ehemalige Seitenbühne wieder auf. Fehlende Kulissen wurden aus alten Resten neu gezimmert und übermalt. Am 15. Oktober 1945 feierte die Gruppe mit dem Mundartstück „Datterich“ im provisorisch hergerichteten Mozartsaal (dem damaligen Stadtkino) einen riesigen Erfolg. Es folgten weitere Stücke wie „Drei-mol hoch mei Muttersproch“ und „Dornröschen“. Der Erlös der gut besuchten Vorstellungen floss direkt in den Wiederaufbau des Wormser Kulturlebens.
Professionalisierung und das „Stadttheater Worms“ (1946–1954)
Im Frühjahr 1946 ging die Laiengruppe in ein professionelles Ensemble über: Am 1. März 1946 startete die „Wormser Theaterwoche“, aus der das neue „Stadttheater Worms“ (Spielzeit 1946/47) unter der Intendanz von Karl Sibold hervorging. Es folgten renommierte Inszenierungen wie „Urfaust“ oder „Iphigenie“.
Das Ensemble leistete in der von Mangel geprägten Nachkriegszeit Enormes:
* Enorme Reichweite: In der Spielzeit 1947/48 spielte das Ensemble rund 600 Vorstellungen (allein 239 in der Spielzeit davor) und reiste dafür fast 6000 Kilometer durch Hessen und die Pfalz.
* Großes Einzugsgebiet: Das Ensemble bespielte über 40 umliegende Orte und Städte – von kleineren Gemeinden wie Alsheim und Pfeddersheim bis hin zu größeren Städten wie Mainz, Ludwigshafen und Neustadt.
* Namhafte Intendanten: Nach Karl Sibold (bis 1949) leiteten Kurt Schacht und Andreas Dahlmeyer das Theater und kämpften erfolgreich gegen die drohende Auflösung des eigenen Ensembles.
12.04.1949: Olga Tschechowa gastierte mit „Der Blaufuchs“ im Wormser Stadttheater
Am 12. April 1949 wurde im Wormser Stadttheater die Komödie „Der Blaufuchs“ von Franz Herczeg aufgeführt. Das Gastspiel wurde vom Kammerschauspiel Bad Kreuznach präsentiert und gehörte zu den kulturellen Höhepunkten der frühen Nachkriegsjahre in Worms.
Unter der Leitung von Intendant Theo Stachels konnte das Publikum eine prominent besetzte Aufführung erleben. Die Hauptrolle spielte die bekannte Schauspielerin Olga Tschechowa, die zu den größten Bühnen- und Filmstars ihrer Zeit zählte. Eine Besonderheit des Gastspiels war das gemeinsame Auftreten von Olga Tschechowa mit ihrer Tochter Ada Tschechowa, die ebenfalls eine erfolgreiche Schauspielkarriere einschlug.
Zum Ensemble gehörten außerdem Willi Constantin, Hans Fuchs und Siegfried Siegert. Gemeinsam brachten sie die elegante Gesellschaftskomödie auf die Bühne, die mit ihren pointierten Dialogen, humorvollen Verwicklungen und geistreichen Charakteren über Jahrzehnte hinweg zu den beliebtesten Stücken des deutschsprachigen Theaters gehörte.
Nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte das Gastspiel einen bemerkenswerten kulturellen Akzent im Wormser Theaterleben dar. Die Verpflichtung einer Künstlerin von internationalem Rang unterstrich den Anspruch des Stadttheaters, seinem Publikum trotz der schwierigen Nachkriegszeit hochwertige Theatererlebnisse zu bieten.
Gastspiele und Kooperationen
Ab 1953 übernahm das Pfalztheater Kaiserslautern die regelmäßigen Theater- und Opernaufführungen im Wormser Mozartsaal. Worms wurde zudem zu einem beliebten Ziel für hochkarätige Gastspiele bekannter Bühnen (darunter das Wiener Tournee-Theater, die Komödie Basel und die Münchner Opernbühne). Sogar absolute Schauspiel-Stars der damaligen Zeit wie Hildegard Knef und Alexander Golling traten in dieser Zeit in Worms auf.
Alexander Golling, Hildegard Knef , Axel von Ambesser, Paul Dahlke, Erik Schumann, Paul Verhoeven,
Lis Verhoeven, Mario Adorf, Hannelore Schroth, Antje Weisgerber, Willy Birgel, Lil Dagover, Anna Smolik
Albrecht Schoenhals, Paul Hartmann, Harald Kreutzberg
u. a. m.
Nach dem Krieg wurde der Theatersaal 1966 in modernen Formen wiedererrichtet, während die Nebengebäude für den Bau des Kultur- und Tagungszentrums "Das Wormser" abgebrochen wurden. Der denkmalgeschützte Theatersaal wurde in das neue Zentrum integriert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der weitgehend erhaltene Festsaal des Städtischen Spiel- und Festhauses als vorübergehende Spielstätte genutzt, bis das eigene Ensemble 1954 aufgelöst wurde. Der Festsaaltrakt wurde jedoch später für den Bau des Mozartsaals abgerissen.
Kurz nach der Währungsreform begann die Diskussion über ein neues Theater, und verschiedene Optionen wurden in Betracht gezogen. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, aber keiner der Entwürfe wurde als umsetzbar erachtet. Erst 1960 sicherte der Landtag von Rheinland-Pfalz einen Zuschuss zu, und 1961 stellte auch die Stadt Geld für den Wiederaufbau bereit. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1961.
Der Wiederaufbau des Theaters folgte einem Vorentwurf des Architekten-Büros Peter Höbel und Dipl. Ing. H. C. Brinkmann. Die Sitzplatzzahl wurde auf etwa 800 reduziert, und der Innenraum erhielt die Form eines geschlossenen Zylinders. Das Foyer wurde ringförmig um den Baukörper angelegt und bestand größtenteils aus Glasflächen.
Das Theater wurde am 6. November 1966 mit einer Aufführung von Mozarts "Don Giovanni" eingeweiht. Während der Renovierung wurde auch ein beeindruckender 90 m2 großer Gobelin im Foyer enthüllt, der Szenen aus der Nibelungensage zeigt und durch Spenden des "Wiederaufbauwerk e.V." finanziert wurde.
Das Theatergebäude ist ein geschütztes Kulturdenkmal gemäß dem Denkmalschutzgesetz des Landes Rheinland-Pfalz.
Der Nibelungen-Wandteppich im Foyer des Wormser Spiel- und Festhauses
Der monumentale Nibelungen-Wandteppich im Foyer des Städtischen Spiel- und Festhauses in Worms entstand anlässlich der Eröffnung des Hauses im Jahr 1966. Mit einer Höhe von 6,25 Metern und einer Länge von 15,35 Metern umfasst er eine Fläche von rund 90 Quadratmetern. Der aus Wolle gefertigte Bildteppich wurde für 90.000 DM angeschafft und zählt zu den bedeutenden monumentalen Darstellungen der Nibelungensage. Sein Entwurf stammt von Professor Hermann Kaspar (1904–1986) aus München, die künstlerische Ausführung übernahm die Bildteppichweberei Edith Müller-Ortloff in Meersburg.
Inhaltlich verbindet das Kunstwerk zwei Themenkreise, die eng mit Worms verknüpft sind: das Nibelungenlied und die germanischen Schicksalsgöttinnen, die Nornen. Während Worms als Stadt der Burgunder und Nibelungen eine zentrale Rolle im mittelalterlichen Epos spielt, stehen die drei Nornen für die Unabwendbarkeit des Schicksals. Sie entsprechen den griechischen Moiren und römischen Parzen und sind auch mit keltischen Muttergottheiten verwandt. Eine besondere regionale Verbindung besteht zu den drei Jungfrauen Embede, Warbede und Willebede, die auf dem Dreijungfrauenstein im Wormser Dom dargestellt sind. Der Stein stammt aus dem ehemaligen Bergkloster in der Nähe des heutigen Spiel- und Festhauses. Bereits Bischof Burchard von Worms († 1025) erwähnte in seinen Bußbüchern den vorchristlichen Brauch, den drei Nornen Speisen und kleine Messer darzubringen.
Die überlebensgroßen Gestalten der drei Nornen bilden das Zentrum des Wandteppichs. Die erste spinnt den Schicksalsfaden, die zweite führt ihn weiter, die dritte durchtrennt ihn mit einer Schere. Zwischen ihnen entfaltet sich die Handlung des Nibelungenliedes mit ihren entscheidenden Ereignissen und tragischen Wendungen.
Zu den dargestellten Szenen gehören Siegfrieds Ankunft in Worms, sein Kampf mit dem Drachen und die Gewinnung des Nibelungenhortes. Ebenso erscheinen die Rheintöchter, kämpfende und feiernde Nibelungen sowie die doppelte Hochzeit von Gunther und Brunhild beziehungsweise Siegfried und Kriemhild. Eine besondere Bedeutung besitzt die Darstellung des Wormser Domes mit dem Streit der beiden Königinnen Kriemhild und Brunhild davor. Weitere Szenen zeigen Siegfrieds Ermordung während der Jagd im Odenwald, die Kämpfe der Nibelungen gegen die Hunnen und Kriemhild mit dem abgeschlagenen Haupt Hagens.
Der tragische Ausgang des Epos wird durch die Szenen rund um die dritte Norne verdeutlicht: Gunther erscheint am Fenster von Etzels Königsburg, darunter ist Kriemhilds Klage dargestellt. Den Abschluss bildet ihre Enthauptung durch Dietrich von Bern. Damit wird der Untergang der Nibelungen und schließlich auch Kriemhilds eigenes Schicksal besiegelt. In einer Ecke des Teppichs hat Professor Kaspar zudem den unbekannten Dichter des Nibelungenliedes verewigt.
Auch die Farbgestaltung unterstreicht die dramatische Aussage des Kunstwerks. Die vorherrschenden Rottöne bilden den Hintergrund für die schicksalhaften Ereignisse – von Täuschung und Verrat über Siegfrieds Ermordung bis hin zu Kriemhilds Rache und dem Untergang der Nibelungen. So verbindet der Wandteppich die einzelnen Episoden zu einer geschlossenen Darstellung von Schicksal, Schuld, Rache und Vergänglichkeit.
Im Zuge der Sanierung des Wormser Theaters wurde der Wandteppich von einer belgischen Spezialfirma gereinigt. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 60.000 Euro.
Der Nibelungen-Wandteppich ist damit weit mehr als ein dekoratives Ausstattungsstück. Er veranschaulicht die enge Verbindung Worms' mit dem Nibelungenlied und verknüpft die literarische Überlieferung mit regionaler Mythologie und Geschichte. Neben den Wandfresken von Schnorr von Carolsfeld in den Nibelungensälen der Münchner Residenz gehört er zu den bedeutenden monumentalen Bildwerken zur Nibelungensage.
Künstlerische Ausgestaltung
- Entwurf: Professor Hermann Kaspar, München
- Ausführung: Bildteppichweberei Edith Müller-Ortloff, Meersburg
- Entstehung: 1966
- Material: Wolle
- Maße: 6,25 × 15,35 Meter (rund 90 m²)
- Anschaffungspreis: 90.000 DM
Sammeln für das neue Festhaus
Werbestempel der Stadt Worms zur Eröffnungswoche 1966
Ein großer Name auf der Wormser Bühne
Nach der Wiedereröffnung des Wormser Theaters 1966 gastierten zahlreiche bekannte Künstler in der Stadt. Zu ihnen gehörten Mario Adorf, Hildegard Knef, Antje Weisgerber, Hilde Krahl, Heidelinde Weis, Horst Buchholz, O. W. Fischer, Curd Jürgens, Zarah Leander und Joachim Fuchsberger.
Für die Mitarbeiter der Verwaltung gehörte es zum guten Ton, die prominenten Gäste mit einem Blumenstrauß zu begrüßen. Die Geste war freundlich gemeint und sollte den Künstlern zeigen, dass sie in Worms willkommen waren.
Doch nicht jeder Gast betrachtete die Blumen mit derselben Begeisterung. Ein Dirigent gab dem Geschenk einmal einen ziemlich respektlosen Namen: Er nannte es „Triumphgemüse“. Damit war der Blumenstrauß zwar nicht gerade geadelt, aber um eine humorvolle Bezeichnung reicher.
Ein Theaterabend mit Folgen
Mit der Oper Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart begann am 6. November 1966 das Programm im neu erbauten Wormser Spiel- und Festhaus. Die Wormser Zeitung bezeichnete die Aufführung als „Glanzvolle Feuertaufe“.
Doch auf den festlichen Auftakt folgte der Theateralltag: wechselnde Inszenierungen, unterschiedliche Publikumsreaktionen und Kritiken, die nicht immer nur Lob verteilten.
12.12.1966: „Mit der Schuld leben“
Theaterkritik zu Arthur Millers Stück Nach dem Sündenfall, das in Worms von William Dieterle inszeniert wurde.
Der Kritiker erklärt, dass das Stück stark von Millers persönlichen Erlebnissen und seiner Ehe mit Marilyn Monroe beeinflusst ist. Deshalb sei es schwierig, die Handlung unabhängig von den damaligen Klatschgeschichten über das Paar zu beurteilen. Außerdem habe Miller möglicherweise noch zu wenig Abstand zu seinen eigenen Erfahrungen gehabt, um sie klar und überzeugend auf der Bühne darzustellen.
Die Inszenierung in Worms wird dagegen sehr gelobt. Die Gespräche, Monologe und Rückblenden seien gut aufeinander abgestimmt und würden die Zuschauer zunehmend fesseln.
Besonders positiv bewertet der Kritiker die schauspielerischen Leistungen von Charles Regnier als Quentin und Sonja Ziemann. Regnier stelle die inneren Konflikte und das Gewissen seiner Figur überzeugend dar. Ziemann beeindrucke durch ihre Wandlungsfähigkeit und ihre ausdrucksstarke Darstellung. Auch die übrigen Schauspieler überzeugten mit ihren Rollen.
Das Publikum reagierte mit großem Applaus. Ein Zuschauer brachte die Wirkung des Stücks auf den Punkt: Die Menschen in Worms müssten wieder lernen, besser zuzuhören.
Kernaussage: Obwohl das Stück sehr persönliche Erfahrungen des Autors verarbeitet und nicht in jeder Hinsicht vollkommen gelungen ist, überzeugt die Wormser Inszenierung durch ihre Regie und die starken schauspielerischen Leistungen. Sie regt dazu an, über Schuld, Gewissen und menschliche Beziehungen nachzudenken.
The Golden Gate Quartet im Wormser Theater
Das legendäre Gospel- und Spiritual-Ensemble The Golden Gate Quartet gastierte mehrfach im Wormser Theater und hinterließ dabei einen bleibenden Eindruck. Die Einträge im Gästebuch belegen Auftritte am 18. November 1968 sowie am 23. November 1972.
Das ursprünglich 1934 in den USA gegründete Quartett galt als eine der bedeutendsten Gospelgruppen des 20. Jahrhunderts. Mit ihren virtuosen Harmonien, mitreißenden Spirituals und ihrem unverwechselbaren Bühnenstil begeisterten die Sänger weltweit ein breites Publikum. Zu ihrem Repertoire gehörten traditionelle Gospels ebenso wie Bearbeitungen populärer Titel.
Von den Gastspielen in Worms zeugen heute noch die handschriftlichen Einträge und Autogramme der Ensemblemitglieder im Gästebuch des Theaters. Für den Auftritt von 1968 unterschrieben unter anderem Orlando Wilson, Clyde Riddick, Caleb Ginyard und Clyde Wright. Beim erneuten Gastspiel 1972 verewigten sich Orlando Wilson, Clyde Riddick, Calvin Williams und Danny Ruel mit ihren Unterschriften und guten Wünschen.
Die wiederholte Einladung des weltweit renommierten Quartetts unterstreicht die Bedeutung des Wormser Theaters als Konzert- und Gastspielstätte, die bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren internationale Künstler nach Worms holte. Die Auftritte der Golden Gate Quartet gehörten zu den musikalischen Höhepunkten des damaligen Veranstaltungsprogramms.
Hans-Joachim Kulenkampff im Wormser Theater
Hans-Joachim Kulenkampff gehörte über Jahrzehnte zu den beliebtesten deutschen Unterhaltungskünstlern und war mehrfach am Wormser Theater zu Gast. Die Gästebücher des Hauses dokumentieren Auftritte in den Jahren 1971 und 1995.
Am 12. Mai 1971 gastierte das Schweizer Tourneetheater Basel mit der Komödie „Es geht auch ohne Geld“ in Worms. Neben einem Porträtfoto Kulenkampffs enthält das Gästebuch die Unterschriften der Mitwirkenden. Zu dieser Zeit war Kulenkampff bereits einem Millionenpublikum als Gastgeber der erfolgreichen Fernsehshow „Einer wird gewinnen“ bekannt, blieb jedoch der Theaterbühne stets verbunden.
Mehr als zwei Jahrzehnte später kehrte er zurück: Am 23. November 1995 war Kulenkampff mit dem Theater unterwegs, München und dem Stück „Mögliche Begegnung“ im Wormser Theater zu erleben. Auch von diesem Gastspiel zeugt ein Gästebucheintrag mit Foto und Unterschriften der Beteiligten, darunter Kulenkampff selbst und sein Bühnenpartner Helmut Veser.
Wormser Zeitung 22/23.01.1972 Schurkisches liegt obenauf
Martin Held und Walter Bluhm gastierten in Worms mit Arkady Leokums Stück „Freunde und Feinde“. Die beiden Einakter dienten vor allem als Bühne für die außergewöhnliche Schauspielkunst der Darsteller. Im ersten Teil überzeugte Martin Held als gedemütigter Hauslehrer, im zweiten als herrischer und selbstgefälliger Gast. Walter Bluhm glänzte als scheinbar unterlegener Kellner, der seiner Figur stille Stärke verlieh. Die Kritik lobte besonders das präzise Zusammenspiel beider Schauspieler und wertete die Aufführung als großes darstellerisches Kabinettstück.
Ein-Satz-Zusammenfassung:
Martin Held und Walter Bluhm begeisterten in „Freunde und Feinde“ durch meisterhafte schauspielerische Leistungen, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden.
Wormser Zeitung 10.02.1972: 08. - 11.02.1972 „Hair“ in Worms: Zwischen Nostalgie und aktueller Gesellschaftskritik
Das Schweizer Ensemble von Hair gastierte im Wormser Festhaus und zeigte, dass das berühmte Hippie-Musical auch Jahre nach seiner Uraufführung nichts von seiner gesellschaftlichen Sprengkraft verloren hat.
Die Themen Liebe ohne Konventionen, Frieden, Toleranz und gesellschaftliche Freiheit wirken weiterhin aktuell, auch wenn manche Provokationen der damaligen Zeit heute ihren Schockeffekt verloren haben. Elemente wie lange Haare oder Nacktheit, einst Auslöser heftiger Debatten, erscheinen inzwischen nahezu selbstverständlich.
Der Kritiker betont jedoch, dass Hair weit mehr ist als eine romantische Verklärung der Hippie-Bewegung. Das Musical stellt grundlegende gesellschaftliche Strukturen infrage und zeigt zugleich die Grenzen alternativer Lebensentwürfe auf.
Musikalisch überzeugte die Aufführung mit einer starken Band und mehreren herausragenden Solisten. Gleichzeitig erschwerten technische Probleme stellenweise die Verständlichkeit der Texte.
Das Fazit fällt zwiespältig, aber positiv aus: Die Hippie-Ära mag vergangen sein, doch die Fragen nach Frieden, Freiheit, Gleichberechtigung und gesellschaftlichem Wandel bleiben aktuell.
Das Ensemble [ohne Rollenzuweisungen]: Jonathan Andrews, Lyvia Bauer, Charles Berry, Jimmy Carter, Günther Dietrich, Peter Drescher, Barbara Eff, Donna Gaines, Helga Gillette, Peter Gruschka, Christine Günther, David Heinemann, Ann Helstone, Udo Janson, Elke Koska, Gudrun Kramer, Michael Martin, Renate Maurer, Stefan Michel, Stella Mooney, Bernd Redecker, Birgit Rüssmann, Enno Schnetz, Reiner Schöne, Minoru Terada, Shirley Thompson, Bernd Tischer, Helga Tölle, Horst Twieg, Verina Weiss, Ron Williams.
30.11.1966: Maria Schell begeistert als „Maria Stuart“
Mit Friedrich Schillers Maria Stuart gastierte Ende November 1966 das Studio Hebenthal im Wormser Theater. Die von Veit Relin inszenierte Aufführung legte den Schwerpunkt weniger auf die politischen Hintergründe des Konflikts als auf die persönliche Rivalität der beiden Königinnen. Leidenschaft, Verletzlichkeit und Machtstreben bestimmten das Geschehen auf der Bühne.
Im Mittelpunkt stand Maria Schell, die die Titelrolle mit großer Intensität gestaltete. Zwischen Stolz, Verzweiflung und unbeugsamem Kampfgeist verlieh sie der historischen Figur eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit. Als Gegenspielerin überzeugte Dorothea Kaiser mit einer kühlen und zugleich entschlossenen Elisabeth, deren Ehrgeiz den Konflikt vorantreibt. Das Zusammentreffen der beiden Frauen wurde zum Höhepunkt des Abends.
Relin führte das Ensemble sicher durch den Klassiker und sorgte für einen lebendigen, spannenden Ablauf. Auch wenn das Finale stellenweise etwas überladen wirkte, hinterließ die Inszenierung insgesamt einen nachhaltigen Eindruck. Der lang anhaltende Applaus des ausverkauften Hauses bestätigte den Erfolg des Gastspiels.
An den Besuch in Worms erinnert auch ein Eintrag im Gästebuch des Theaters vom 30. November 1966. Dort verewigten sich Maria Schell, Veit Relin, Susanne Engelhardt und Christine Probst mit persönlichen Zeilen und Glückwünschen. Die Einträge spiegeln die enge Verbundenheit des Ensembles mit seinem Gastspielort wider und dokumentieren einen Theaterabend, der dem Wormser Publikum lange in Erinnerung blieb.
30.11.1969 Volkstheater-Legende in Worms: Willy Millowitsch begeistert im „Fidelen Bauern“
Am 30. November 1969 erlebte das Wormser Theater einen Abend voller Herzwitz und rheinischem Charme. Das Schweizer Tourneetheater Basel gastierte mit der beliebten Operette „Der fidele Bauer“ von Leo Fall in der Nibelungenstadt.
Für ein vollbesetztes Haus und johlenden Applaus sorgte vor allem der Hauptdarsteller: Die Kölner Volkstheater-Legende Willy Millowitsch stand in seiner Paraderolle auf der Wormser Bühne. Mit seiner unverwechselbaren Volkstümlichkeit und humorvollen Präsenz zog er das Publikum sofort in seinen Bann.
Ein eingespieltes Ensemble
Unterstützt wurde Millowitsch von einem erstklassigen Ensemble, darunter die bekannte Kölner Volksschauspielerin Else Scholten (im Dokument als Elsa Schalten geführt) sowie Thomas Härtner, Ingrid Burmester, Heide Maria Rindles und Jan Dirkse.
22.10.1970: Zarah Leander im Wormser Theater
Am 22. Oktober 1970 gastierte die schwedische Sängerin und Schauspielerin Zarah Leander mit einem eigenen Konzertabend im Wormser Theater. Der Gästbucheintrag dokumentiert den Auftritt mit den Unterschriften von Zarah Leander, ihrem langjährigen Pianisten Arne Hülphers sowie dem Conférencier Rolf Stiefel.
Zarah Leander zählte zu den größten deutschsprachigen Unterhaltungskünstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Mit ihrer markanten Altstimme und Erfolgstiteln wie „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n“, „Davon geht die Welt nicht unter“ oder „Kann denn Liebe Sünde sein?“ begeisterte sie über Generationen hinweg ihr Publikum. Nach ihrer Filmkarriere feierte sie auf den Konzert- und Theaterbühnen Europas ein viel beachtetes Comeback.
Das Programm des Wormser Gastspiels vereinte bekannte Chansons, Filmschlager und Lieder aus Operette und Revue. Begleitet von Arne Hülphers am Flügel interpretierte Zarah Leander unter anderem „Ich bin ein Star“, „Drei Sterne“, „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“, „Schwedisches Volkslied“ sowie als Höhepunkt „Wunderbar“. Die Moderation und verbindenden Texte übernahm Rolf Stiefel.
Der Auftritt war Teil einer umfangreichen Gastspielreise der damals 63-jährigen Künstlerin, die noch immer Säle füllte und sowohl ihr langjähriges Stammpublikum als auch jüngere Zuhörer begeisterte. Der Abend im Wormser Theater bot den Besuchern die seltene Gelegenheit, eine der prägendsten Stimmen der deutschsprachigen Unterhaltungskultur live zu erleben. Der Gästbucheintrag erinnert bis heute an den Besuch einer außergewöhnlichen Künstlerin, deren Karriere mehr als vier Jahrzehnte umspannte und die bis heute als Legende des deutschsprachigen Chansons gilt.
14.11.1970: O. W. Fischer mit „Stunde der Bewährung“ im Wormser Theater
Am 14. November 1970 gastierte das Schweizer Tourneetheater Basel mit dem Schauspiel „Stunde der Bewährung“ im Wormser Theater. Im Gästebuch des Hauses findet sich neben einem Porträtfoto auch ein Eintrag mit den Unterschriften der Mitwirkenden, darunter des österreichischen Schauspielstars O. W. Fischer.
O. W. Fischer zählte in den 1950er- und 1960er-Jahren zu den bedeutendsten Film- und Bühnendarstellern des deutschsprachigen Raums. Mit Filmen wie Hanussen, Ludwig II. oder Ich suche Dich wurde er international bekannt. Neben seiner Filmkarriere blieb er dem Theater eng verbunden und trat regelmäßig in anspruchsvollen Tourneeproduktionen auf.
Das Gastspiel in Worms zeigte ihn in dem Schauspiel „Stunde der Bewährung“, das vom Schweizer Tourneetheater Basel auf die Bühne gebracht wurde. Die Produktion vereinte mehrere renommierte Darsteller und bot den Besuchern einen Theaterabend, der ganz von der Präsenz Fischers geprägt war. Seine Auftritte galten als besondere Ereignisse und zogen vielerorts ein großes Publikum an.
12.11.1971: Johannes Heesters mit „Alles im Garten“ im Wormser Theater
Am 12. November 1971 gastierte die Bühne 64 Zürich mit dem Schauspiel „Alles im Garten“ im Wormser Theater. Der Gästebucheintrag dokumentiert den Auftritt und enthält die Unterschriften der Mitwirkenden, darunter des berühmten Schauspielers und Sängers Johannes Heesters.
Johannes Heesters zählte über Jahrzehnte zu den bekanntesten Unterhaltungskünstlern im deutschsprachigen Raum. Der gebürtige Niederländer war als Operettenstar, Filmschauspieler und Bühnendarsteller international erfolgreich und begeisterte sein Publikum mit seiner eleganten Bühnenpräsenz und seiner unverwechselbaren Stimme. Besonders durch Rollen in Operetten von Franz Lehár und Robert Stolz wurde er zu einer der prägenden Persönlichkeiten des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts.
Das Stück „Alles im Garten“ basiert auf dem gesellschaftskritischen Drama des britischen Autors Edward Albee. Hinter der Fassade einer scheinbar wohlhabenden Vorstadtfamilie entfaltet sich eine Geschichte über gesellschaftlichen Anpassungsdruck, Moral und materielle Wünsche. Das Werk gehörte in den 1970er-Jahren zu den vielgespielten modernen Theaterstücken und bot anspruchsvolle Unterhaltung mit aktuellem Bezug.
Der Gastspielabend in Worms brachte damit nicht nur einen der populärsten Bühnenstars seiner Zeit in die Nibelungenstadt, sondern auch ein Stück zeitgenössischer Theaterliteratur.
28. März 1974: Marika Rökk und das halbe Hähnchen
Als Marika Rökk im Musical Hello Dolly in Worms auftrat, gab es eine Szene, in der sie mit einem halben Hähnchen hantieren musste. Ein Mitarbeiter ihrer Truppe sollte das Hähnchen mit einem Verfolgerscheinwerfer beleuchten. Doch aus ungeklärten Gründen blieb das Licht aus.
Marika Rökk versuchte, den Techniker mit immer wilderen Armbewegungen auf das Hähnchen aufmerksam zu machen. Dazu kamen ihre bösen Blicke. Das Wormser Publikum erlebte eine denkwürdige Szene, in der das Hähnchen bis zum Schluss unbeleuchtet blieb.
17. April 1974: Dr. med. Hiob Prätorius - Schweizer Tourneetheater Basel
„Dr. med. Hiob Prätorius“ mit C. H. Schroth in der Hauptrolle
Carl-Heinz Schroth führte selbst Regie und spielte zugleich die Hauptrolle. Dabei gelang es ihm hervorragend, den Humor und die Persönlichkeit von Curt Goetz auf die Bühne zu bringen.
Als Professor Hiob Prätorius überzeugte Schroth mit weltmännischem Charme, eleganter Ausdrucksweise und feiner Ironie, ohne jemals boshaft zu wirken. Besonders beeindruckend waren seine Vielseitigkeit und seine Fähigkeit, zwischen den verschiedenen Szenen und Stimmungen zu wechseln.
Das Stück verbindet auf unterhaltsame Weise Kriminalgeschichte, geistreiche Dialoge und Charakterkomödie. Auch die übrigen Darsteller überzeugten: Georg Lehn mit seiner humorvoll-unheimlichen Figur Shunderson und Walter Gross als liebenswürdig-zerstreuter Nack.
Besonders gelungen war Schroths Darstellung in der berühmten Dirigentenszene. Mit ausdrucksstarker Gestik, feinem Humor und gezielter Übertreibung gelang ihm eine großartige Parodie.
Dabei stellte Schroth nie sich selbst, sondern das gesamte Ensemble in den Mittelpunkt. Er war der sympathische Mittelpunkt einer insgesamt überzeugenden Aufführung.
Das ausverkaufte Haus dankte den Darstellern mit reichlich Beifall. Die Begegnung mit Curt Goetz zeigte einmal mehr, wie geistreich und anspruchsvoll gute Unterhaltung sein kann – ganz im Gegensatz zu mancher oberflächlichen Boulevardunterhaltung auf Bühne und im Fernsehen.
Wormser Zeitung 11.11.1974: Rudolf Schock begeistert im „Dreimäderlhaus“
Rudolf Schock war der unbestrittene Star des Abends. Als Franz Schubert überzeugte der gefeierte Tenor mit seiner Stimme und Bühnenpräsenz und wurde vom Publikum begeistert gefeiert.
Die Operette Das Dreimäderlhaus mag in ihrer Handlung stellenweise sentimental wirken, bietet jedoch einen stimmungsvollen Rahmen für Schuberts Musik. Regisseur Helmut Hein setzte bewusst auf die Ausstrahlung Schocks und ließ den übrigen Darstellern viel Raum für eigene Akzente.
Neben dem Titelstar konnten auch mehrere Ensemblemitglieder überzeugen. Besonders die weiblichen Hauptrollen und einige markante Nebenfiguren verliehen der Aufführung zusätzlichen Charme.
Trotz kleiner inszenatorischer Schwächen überwogen die musikalischen Qualitäten, die liebevolle Ausstattung und die Wiener Operettenatmosphäre. Das ausverkaufte Haus dankte den Mitwirkenden mit großem Applaus.
Wormser Zeitung 18.11.1974: Gelungener Brecht-Abend mit starken Darstellern
Mit Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti präsentierte das Theater Baden-Baden eine ausgewogene und unterhaltsame Inszenierung. Die Aufführung verband Humor, Poesie und soziale Kritik, ohne in politische Vereinfachungen zu verfallen.
Eberhard Wechselberg überzeugte als vielschichtiger Puntila, der zwischen Großzügigkeit, Selbstüberschätzung und Machtbewusstsein schwankt. Peter Uwe Arndt stellte Matti als klugen und selbstbewussten Gegenpart dar, der die Abhängigkeit vom Gutsherrn längst hinterfragt hat.
Auch Susanne Riemann setzte als Eva überzeugende Akzente. Die übrigen Ensemblemitglieder fügten sich harmonisch in das Gesamtbild ein.
Die Inszenierung riss das Publikum zwar nicht zu Begeisterungsstürmen hin, bot aber einen sorgfältig gestalteten und inhaltlich anregenden Theaterabend.
04.11.1970: Heinz Erhardt begeisterte das Wormser Publikum
Einen heiteren Theaterabend erlebten die Besucher des Wormser Theaters am 4. November 1970. Die Theatergastspiele Nordprogramme Oldenburg gastierten mit der Erfolgs-Komödie „Das hat man nun davon“, deren Hauptrolle von dem beliebten Komiker und Schauspieler Heinz Erhardt verkörpert wurde.
Bereits vor Beginn der Aufführung ereignete sich ein ungewöhnlicher Zwischenfall, der später zu den gern erzählten Anekdoten des Abends zählen sollte. Noch bevor sich der Vorhang vollständig geöffnet hatte, explodierte ein Scheinwerfer mit einem lauten Knall. Heinz Erhardt ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Er trat vor das Publikum und kommentierte den Vorfall spontan mit den Worten:
„Das lob ich mir – einen solchen Empfang in Worms!“
Mit seinem typisch trockenen Humor verwandelte er die technische Panne in einen herzlichen Lacherfolg und gewann die Sympathien des Publikums bereits vor dem eigentlichen Beginn des Stückes.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der gutmütige Finanzbeamte Willi Winzig, der kurz vor seiner Pensionierung steht. Aus Mitleid mit den Betroffenen hat er über Jahre hinweg Steuerbescheide und Mahnungen nicht versandt, sondern in seinem Büro gesammelt. Als dieser ungewöhnliche Dienstweg entdeckt wird, gerät seine Altersversorgung in Gefahr. Um einem Disziplinarverfahren zu entgehen, versucht Willi Winzig auf Anraten seines Vorgesetzten Dr. Senn, sich als geistig verwirrt auszugeben. Doch die daraus entstehenden Verwicklungen führen ihn immer tiefer in eine Kette von Missverständnissen und turbulenten Situationen.
Im zweiten Akt verlagert sich das Geschehen in den Ballsaal des Ministeriums. Dort sorgt Winzig während eines Festaktes für reichlich Aufsehen, bis schließlich sogar Finanzminister Kuhländer von seiner vermeintlichen Geistesverwirrung überzeugt ist. Als sich die politische Lage jedoch verändert, wird aus dem scheinbar gescheiterten Beamten plötzlich ein gefragter Mann.
Der dritte Akt zeigt Willi Winzig schließlich als Amtsrat im Finanzministerium. Seine unkonventionelle Art bringt ihn erneut in Schwierigkeiten, doch auch diesmal wendet sich das Blatt überraschend. Am Ende der satirischen Komödie wird ausgerechnet der liebenswerte Chaot zum neuen Finanzminister ernannt.
Besonders Heinz Erhardt überzeugte in der Rolle des Willi Winzig mit seinem unverwechselbaren Humor, feinem Wortwitz und trockenem Charme. Das Ensemble wurde ergänzt durch Fritz Hellmann als Herr Dolleschall, Albert Lichtenfeld als Finanzminister Kuhländer, Wolfgang A. Kaehler als Dr. Finz, Edgar Maschmann als Dr. Senn, Senta Sommerfeld als Dr. Sigrid Kubin, Waltraud Diederichs als Fräulein Weguscheit sowie Horst Uhde als Exzellenz Ali Ben Aganemtsich.
Ein heute noch erhaltener Gästebucheintrag vom 4. November 1970 erinnert an den Besuch der Schauspieltruppe in Worms. Neben einem Porträt von Heinz Erhardt finden sich darin die Autogramme der Mitwirkenden. Das Gästebuch dokumentiert damit nicht nur einen erfolgreichen Theaterabend, sondern auch eine jener liebevollen Episoden, für die Heinz Erhardt bis heute in Erinnerung geblieben ist.
Mit seiner gelungenen Mischung aus Beamten-Satire, politischer Farce und typischem Heinz-Erhardt-Humor sorgte „Das hat man nun davon“ für beste Unterhaltung und zählt zu den besonderen Gastspielen der frühen 1970er Jahre im Wormser Theater. Das Publikum erlebte an diesem Abend nicht nur eine erfolgreiche Aufführung, sondern auch einen jener spontanen Heinz-Erhardt-Momente, die oft ebenso unvergessen blieben wie das Stück selbst.
06.11.1977: Ein Hauch von Weltklasse: Als Götz George die Bühne des Wormser Theaters eroberte
Am 6. November 1977 erlebte das Wormser Theater ein schauspielerisches Highlight: Die renommierte Berliner Tournee Erich Kuhnen GmbH gastierte mit einem dreiteiligen Anton-Tschechow-Abend in der Nibelungenstadt.
Auf dem Programm standen die bekannten Einakter „Der Bär“, „Der Heiratsantrag“ und der Monolog „Über die Schädlichkeit des Tabaks“.
Hochkarätiges Starensemble
Für eine Sensation im Saal sorgte die Besetzung der Hauptrollen: Allen voran der junge, charismatische Götz George, der Jahre vor seiner legendären Rolle als „Tatort“-Kommissar Schimanski seine enorme Bühnenpräsenz unter Beweis stellte. An seiner Seite glänzten die profilierte Charakterdarstellerin Evelyn Gressmann und der Theaterstar Bruno Hübner.
Das historische Dokument mit den Originalunterschriften der Stars erinnert an die lange Tradition des Wormser Theaters, hochkarätige Kulturerlebnisse und die großen Namen der Schauspielwelt nach Worms zu holen.
15.04.1978 Theaterereignis in Worms: Curd Jürgens brilliert als Clarence Darrow
Ein schauspielerisches Großereignis erlebte das Wormser Publikum am 15. April 1978: Das Schweizer Tourneetheater Basel gastierte mit dem packenden Ein-Personen-Stück „Im Zweifel für den Angeklagten“. In der Hauptrolle brillierte Weltstar Curd Jürgens, der das bewegte Leben des legendären US-Strafverteidigers Clarence Darrow in einer darstellerischen Glanzleistung auf die Bühne brachte.
Ein Weltstar zieht das Publikum in den Bann
Mit dem deutsch-österreichischen Charakterdarsteller Curd Jürgens (1915–1982), bekannt aus zahllosen internationalen Großproduktionen, stand eine wahre Kinolegende auf der Bühne. Das anspruchsvolle Solo-Stück verlangte dem Akteur alles ab. Mit seiner immensen physischen und emotionalen Bühnenpräsenz fesselte Jürgens die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute.
Kampf für Humanität und Wahrheit
Das Drama (Originaltitel: Clarence Darrow von David W. Rintels) zeichnet das Profil des wohl bedeutendsten Strafverteidigers der US-Geschichte nach. Darrow galt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als unerschrockener Kämpfer für die Unterdrückten. Sein lebenslanger, kompromissloser Einsatz gegen die Todesstrafe und gegen jede Verletzung von Ethos und Recht bildete das emotionale Rückgrat des Abends. Ein absolut denkwürdiger Theaterabend, der sowohl dem historischen Humanisten Darrow als auch der Schauspielkunst von Curd Jürgens ein bleibendes Denkmal setzte.
20.10.1978: Ein Bravo, das lange auf sich warten ließ
Im Oktober 1978 begann die neue Saison mit einem musikalischen Höhepunkt. Der Pianist Christoph Eschenbach trat gemeinsam mit dem Staatsorchester der Pfälzischen Philharmonie auf.
Doch die Begeisterung des Wormser Publikums schien sich zunächst in Grenzen zu halten. Die Zeitung wählte eine bemerkenswerte Überschrift: „Bravo ist in Worms lange nicht gerufen worden“.
Ob das Publikum besonders kritisch war oder einfach zurückhaltend applaudierte, lässt sich aus der Vorlage nicht eindeutig entnehmen. Jedenfalls zeigt die Episode, dass selbst ein hochkarätiger Konzertabend nicht automatisch in stürmischen Beifall mündet.
09.01.1979: Gerlinde Locker mit „Tumult im Narrenhaus“ im Wormser Theater
Am 9. Januar 1979 gastierte das Tournee-Theater „Komödie im Marquardt Stuttgart“ mit der Komödie „Tumult im Narrenhaus“ im Wormser Theater.
Gerlinde Locker zählte in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den bekannten Gesichtern des deutschsprachigen Films, Fernsehens und Theaters. Sie wirkte in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit und war zugleich regelmäßig auf den Bühnen renommierter Tourneetheater zu sehen. Durch ihre Vielseitigkeit zwischen Boulevardkomödie, Schauspiel und Fernsehen erwarb sie sich ein breites Publikum.
Mit der Aufführung von „Tumult im Narrenhaus“ brachte die „Komödie im Marquardt Stuttgart“ beste Boulevard- und Unterhaltungskost nach Worms. Das Ensemble bestand aus erfahrenen Theaterdarstellern, die mit Tempo, Witz und pointierten Dialogen für einen abwechslungsreichen Theaterabend sorgten.
14.03.1979: Inge Meysel mit „Wie immer am Donnerstag“ im Wormser Theater
Am 14. März 1979 gastierte das Euro-Studio mit der Komödie „Wie immer am Donnerstag“ im Wormser Theater. Im Gästebuch des Hauses erinnert ein Eintrag mit Foto und Autogramm an den Besuch der Schauspielerin Inge Meysel, die zu den populärsten Fernseh- und Theaterdarstellerinnen Deutschlands zählte.
Inge Meysel war bereits seit den 1950er-Jahren ein Publikumsliebling und wurde durch zahlreiche Film-, Fernseh- und Theaterrollen bekannt. Besonders große Popularität erlangte sie in Fernsehserien wie „Die Unverbesserlichen“, in denen sie mit ihrer natürlichen und lebensnahen Darstellung ein breites Publikum erreichte. Aufgrund ihrer Beliebtheit wurde sie oft als „Mutter der Nation“ bezeichnet.
Die Komödie „Wie immer am Donnerstag“ gehörte zu den erfolgreichen Tourneeproduktionen jener Zeit und bot unterhaltsames Boulevardtheater mit viel Humor und pointierten Dialogen. Mit ihrer großen Bühnenerfahrung und ihrer unverwechselbaren Ausstrahlung prägte Inge Meysel den Abend entscheidend und sorgte für besondere Aufmerksamkeit beim Wormser Publikum.
11.01.1980 Elke Sommer in "Die Kaktusblüte"
„Die Kaktusblüte“ (Originaltitel: Cactus Flower) ist eine weltberühmte Boulevardkomödie, in der die deutsche Schauspielikone Elke Sommer ab den 1970er-Jahren große Erfolge auf der Theaterbühne feierte.
25.03.1980: Paul Dahlke mit „Das Haus in Montevideo“ im Wormser Theater
Am 25. März 1980 gastierte das Tourneetheater Dreiländereck mit der Komödie „Das Haus in Montevideo“ im Wormser Theater. Ein Gästbucheintrag mit Porträtfoto und den Unterschriften der Mitwirkenden erinnert an den Auftritt des beliebten Schauspielers Paul Dahlke, der die Produktion anführte.
Paul Dahlke gehörte zu den profiliertesten deutschen Schauspielern der Nachkriegszeit. In zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen überzeugte er durch seine natürliche Ausstrahlung, seinen feinen Humor und seine charakteristischen Rollen als sympathischer, oft etwas verschmitzter Lebensmensch. Besonders bekannt wurde er durch Filme wie „Drei Männer im Schnee“, „Die Zürcher Verlobung“ und zahlreiche Literaturverfilmungen.
Aufgeführt wurde „Das Haus in Montevideo“, die berühmte Komödie von Curt Goetz, die seit ihrer Uraufführung zu den erfolgreichsten Stücken des deutschsprachigen Theaters zählt. Mit geistreichen Dialogen, Situationskomik und einer liebevollen Satire auf bürgerliche Moralvorstellungen begeistert das Werk bis heute sein Publikum.
Neben Paul Dahlke wirkten weitere bekannte Tourneetheaterdarsteller an der Produktion mit. Der Gästbucheintrag dokumentiert einen Theaterabend, der anspruchsvolle Unterhaltung mit prominenter Besetzung verband und beim Wormser Publikum auf großes Interesse stieß.
02.10.1981: Harald Juhnke im Wormser Theater
Am 2. Oktober 1981 gastierte Harald Juhnke mit dem Programm „Ein Abend mit Harald Juhnke“ im Wormser Theater.
Harald Juhnke war Schauspieler, Sänger, Moderator und Komiker zugleich. Seit den 1960er-Jahren gehörte er zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens und begeisterte sein Publikum mit seinem Charme, seinem Humor und seiner außergewöhnlichen Bühnenpräsenz. Neben zahlreichen Film- und Fernsehrollen feierte er große Erfolge als Interpret von Chansons, Schlagern und Musicalmelodien.
Mit seinem Soloprogramm präsentierte Juhnke einen abwechslungsreichen Abend aus Unterhaltung, Musik, Anekdoten und persönlichen Geschichten. Seine Fähigkeit, mühelos zwischen humorvollen Einlagen und gefühlvollen Liedern zu wechseln, machte ihn zu einem der wenigen deutschen Entertainer im klassischen internationalen Verständnis.
Der Auftritt im Wormser Theater fiel in eine Phase großer Popularität des Künstlers. Bereits damals galt Juhnke als einer der herausragenden Showstars der Bundesrepublik.
15.10.1981 Dieter Hallervorden im Wormser Theater
Am 15. Oktober 1981 gastierte Dieter Hallervorden im Wormser Theater. Ein Gästbucheintrag mit Autogrammkarte und den Unterschriften der Mitwirkenden erinnert an diesen Besuch des damals bereits äußerst populären Komikers, Schauspielers und Kabarettisten.
Hallervorden gehörte Anfang der 1980er-Jahre zu den bekanntesten Fernsehstars Deutschlands. Ein Millionenpublikum kannte ihn aus seiner erfolgreichen Comedy-Reihe „Nonstop Nonsens“, deren skurriler Humor und legendäre Sketche Kultstatus erreichten. Neben seiner Fernseharbeit war Hallervorden jedoch stets dem Theater verbunden. Bereits 1960 hatte er in Berlin das Kabarett „Die Wühlmäuse“ gegründet, das sich zu einer der bedeutendsten Kleinkunstbühnen Deutschlands entwickelte.
Der Wormser Gästebucheintrag dokumentiert ein Gastspiel, bei dem Hallervorden gemeinsam mit weiteren Künstlern auftrat, darunter Walter Retjens und Kurt Schmidtchen, der ebenfalls durch zahlreiche Fernseh- und Filmrollen bekannt war. Die Veranstaltung bot dem Publikum einen Abend mit prominenten Vertretern der deutschen Unterhaltungs- und Kabarettszene.
30.10.1986: Freddy Quinn – ein falsches Vorurteil
Freddy Quinn hatte sich vor seinem Auftritt in seiner Garderobe eingeschlossen. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung wollte etwas mit ihm besprechen und vermutete zunächst, dass er Ruhe zur Vorbereitung benötigte oder sich wegen seiner Bekanntheit abschottete.
Schließlich erfuhr sie, dass Freddy Quinn beim Pförtner ein Rezept hinterlegt hatte. Die Mitarbeiterin besorgte das Medikament und brachte es ihm. Die Tür wurde kurz geöffnet, das Medikament entgegengenommen und gleich wieder geschlossen. Da sie die Auslage bezahlt hatte, fragte sie sich, ob der Sänger tatsächlich so arrogant war, wie es zunächst schien.
Nach der Vorstellung erschien Freddy Quinn jedoch gut gelaunt und ausgesprochen freundlich im Büro. Er erkundigte sich nach seinen Schulden bei der Mitarbeiterin, bezahlte umgehend und hinterließ eine glückliche Verwaltungsangestellte. Sie hatte erfahren, dass erste Eindrücke täuschen können.
Wormser Zeitung 13.02.1987: Gefahren heutiger Progressivität
Ein umweltbewusstes „Kom(m)ödchen“ begeisterte im Festhaus
Auch ohne die bekannte Lore Lorentz und den inzwischen leider nicht mehr besetzten Typ von Hanns Dieter Hüsch zeigen die Düsseldorfer, dass politisches Kabarett nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Mit bissigem Humor beleuchten sie die gesellschaftlichen Krisen unserer Zeit: Umweltzerstörung, politische Fehlentwicklungen und menschliche Verantwortungslosigkeit. Dabei stellen sie immer wieder die Frage, welchen Anteil wir selbst an diesen Problemen haben.
Im Mittelpunkt steht weniger die Tagespolitik als vielmehr die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung. Manche Pointen sind treffend und regen zum Nachdenken an, andere gehen in ihrer Übertreibung etwas zu weit.
Das Ensemble mit Jutta Hahn, Hugo Egon Balder, Geriet Schieske und Harald Schmidt präsentiert gemeinsam mit einer hervorragenden Jazz-Combo eine abwechslungsreiche Mischung aus Kabarett und Musik. Die Themen reichen von Umweltverschmutzung und Waldsterben über Gewerkschafts- und Bankenskandale bis hin zu gesellschaftlichen und politischen Missständen.
Besonders gelungen sind drei Szenen: die absurde Darstellung eines Stollens, der als Folge der Entspannung zwischen Ost und West nach Moskau gelangt, eine satirische Werbung für die Deutsche Bank und die humorvollen Reaktionen von Autofahrern im Stau.
Die kurzen, schnell wechselnden Sprachszenen sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Inhaltlich wie schauspielerisch bietet das Ensemble eine überzeugende Kabarettvorstellung.
Insgesamt war es ein Kabarettabend auf hohem Niveau, wie man ihn in Worms nur selten erlebt. Der begeisterte Applaus des Publikums war mehr als verdient.
27.04.1992: Lionel Hampton brachte internationales Jazz-Flair nach Worms
Worms. Am 27. April 1992 erlebte das Wormser Theater einen musikalischen Höhepunkt von internationalem Rang: Die Jazzlegende Lionel Hampton, einer der bedeutendsten Vibraphonisten und Bandleader des 20. Jahrhunderts, gastierte mit seiner Band in der Nibelungenstadt und begeisterte das Publikum mit einem mitreißenden Konzert.
Hampton, der bereits seit den 1930er Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten des amerikanischen Jazz zählte und unter anderem mit Größen wie Benny Goodman zusammenarbeitete, bewies auch in Worms eindrucksvoll seine außergewöhnliche Bühnenpräsenz. Mit einer Mischung aus Swing, Blues und energiegeladenen Improvisationen verwandelte er das Theater für einen Abend in einen Jazzclub von Weltformat.
Das Publikum honorierte die Virtuosität des Musikers und seines Ensembles mit begeistertem Applaus. Besonders die Solopassagen am Vibraphon sowie die spielfreudige Interaktion mit der Band sorgten für Stimmung im Saal und machten den Auftritt zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Jazzfreunde der Region.
An den gelungenen Abend erinnert bis heute auch ein Eintrag im Gästebuch des Wormser Theaters. Dort hinterließ Lionel Hampton am 27. April 1992 die Worte:
"Good Luck always, a great time here",
verbunden mit seiner Unterschrift. Die Widmung zeugt von der herzlichen Atmosphäre und den positiven Erinnerungen, die der weltbekannte Musiker mit seinem Gastspiel in Worms verband.
Wormser Zeitung 11.05.1993: Fast eine "One-Woman-Show"
Hauptdarstellerin: Heidi Kabel brilliert im Stück „Oh diese Eltern“ und liefert fast eine One-Woman-Show ab. Die spanische Komödie von Alfonso Paso wurde von Regisseur Michael Koch ins Deutsche übertragen, verliert dabei jedoch etwas an Biss, da ironische Anspielungen auf die Franco-Diktatur gestrichen wurden.
Heidi Kabel rettet schwache Momente mit starker Mimik und schauspielerischer Routine. Heinz Behrens überzeugt als nervöser Witwer, während andere Rollen (wie Peter Wohlert und Heidi Mahler) eher blass und lustlos wirken.
Fazit: Dank Heidi Kabels starker Präsenz bekam das Publikum im gut besuchten Haus genau das, was es wollte.
Wormser Zeitung 21.08.1995: Heute wie vor 500 Jahren ...
Die höchsten Repräsentanten des Staates zu Gast in Worms
Vor 500 Jahren war es Kaiser Maximilian, der Worms besuchte. Gestern begrüßte die Stadt am Rhein mit Bundespräsident Roman Herzog erneut einen der höchsten Repräsentanten des Staates.
Rund 7.000 Menschen lebten 1495 innerhalb der Stadtmauern, heute sind es etwa 80.000. Entsprechend groß war das Interesse am Besuch des Bundespräsidenten: Überall wurde er herzlich empfangen, nahm sich Zeit für Gespräche und erwiderte freundlich die Grüße der Bürger.
Ein Höhepunkt des Festakts war der Auftritt der Jugendmusikschule unter der Leitung von Reinhard Volz. Mit Beethovens Erster Symphonie überzeugten die jungen Musiker und erhielten großen Applaus.
Das Bühnenbild im Festhaus zeigte Worms zur Zeit des Reichstags von 1495. Oberbürgermeister Gernot Fischer dankte dem Bundespräsidenten dafür, dass er eigens seinen Urlaub für die Teilnahme am Festakt unterbrochen hatte. Zugleich zog er Parallelen zwischen damals und heute: „Wir haben damals dazugehört, und wir gehören auch heute dazu.“
Auch Roman Herzog erinnerte daran, dass die Menschen nach den politischen Beratungen von 1495 sicher gemeinsam gefeiert hätten. In dieser Hinsicht, so seine Botschaft, habe sich wenig verändert.
Das Fazit des Tages: Worms mag kleiner sein als die Metropolen, die Bundespräsidenten gewöhnlich besuchen. Doch die Offenheit, Herzlichkeit und Verbundenheit der Bürger mit ihrer Stadt hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Oliver Mang erinnert sich an den Pianisten *Justus Frantz*, der im Jahr 2000 im Wormser Festhaus auftrat.
Damals drohte es zu einer kuriosen Überschneidung zu kommen: Während Frantz konzertierte, sollte zeitgleich eine SPD-Veranstaltung mit Alphornbläsern stattfinden. Mang setzte sich dafür ein, dass die Interessen des berühmten Musikers gewahrt blieben.
Besonders bekannt ist in Worms eine Begebenheit aus dem Jahr 1996. Vor einem Konzert im Herrnsheimer Schlosspark entdeckte Justus Frantz, dass sein wertvoller Yamaha-Konzertflügel auf einen Teppich gestellt worden war. Das gefiel ihm überhaupt nicht. Er machte seinem Ärger deutlich Luft und stellte die Verantwortlichen zur Rede.
Als einer von ihnen seine Entscheidung mit den Worten „Wir dachten ...“ erklären wollte, unterbrach Frantz ihn trocken und schlagfertig:
> „Sie sollen nicht dachten, Sie sollen denken.“
Diese humorvolle, grammatikalisch absichtlich falsche Bemerkung wurde in Worms zu einer oft erzählten Anekdote. Der Autor schließt mit der Pointe, dass O. Mang sich diesen Rat bis heute zu Herzen nehme.
Wormser Zeitung 08.11.2004 Alfred Biolek Wagners Opernzyklus *„Der Ring des Nibelungen“* aus einer humorvollen juristischen Perspektive betrachtete.
Während auf der Bühne eine Büste von Richard Wagner stand und Filmszenen aus dem „Ring“ gezeigt wurden, war das eigentliche Publikumsmagnet nicht die Musik, sondern Biolek selbst. Er stellte scherzhafte Rechtsfragen zu den Figuren und Ereignissen der Oper: Braucht man für Walhall eine Baugenehmigung? Kann Siegfried strafrechtlich verantwortlich gemacht werden? Oder könnten Alberich und Fafnir vor Gericht gestellt werden?
Die Antworten waren natürlich nicht ernst gemeint. Am Ende sprach Biolek allen Göttern und Helden symbolisch eine Generalamnestie aus.
Die Autorin bewertet die Veranstaltung jedoch eher kritisch. Ihrer Meinung nach blieb das Programm hinter den Erwartungen zurück. Biolek las seinen Text weitgehend ab, wodurch seine sonst bekannte Spontaneität und Schlagfertigkeit kaum zur Geltung kamen. Zudem sorgten eingespielte Fernsehinterviews für Verwirrung im Publikum. Auch das Gespräch über die historischen Hintergründe des Nibelungenlieds wirkte nach Ansicht der Autorin wenig spannend. Insgesamt sei aus einer vielversprechenden Idee nur eine eher mittelmäßige Veranstaltung geworden.
08.11.2004: Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht mit der Schauspielerin *Iris Berben*.
Im ersten Teil der Lesung trägt Berben Auszüge aus Hitlers Tischgesprächen von 1941/42 vor. Durch ihre sachliche und nüchterne Vortragsweise werden die ideologischen Vorstellungen und die menschenverachtende Denkweise Hitlers besonders deutlich. Die Worte wirken gerade deshalb verstörend, weil sie ohne dramatische Zuspitzung präsentiert werden.
Nach der Pause wird die Veranstaltung noch eindringlicher. Nun liest Berben Berichte von Menschen, die den nationalsozialistischen Terror selbst erlebt haben. Die Texte schildern die Verfolgung und Ermordung verschiedener Opfergruppen des NS-Regimes, darunter Sinti und Roma sowie homosexuelle Menschen.
Den emotionalen Höhepunkt bildet ein Text über die Massenmorde in Ponary bei Vilnius. Die Schilderungen zeigen den Gegensatz zwischen dem einst friedlichen Leben vor Ort und den späteren Verbrechen der Nationalsozialisten.
Die Autorin bewertet die Veranstaltung äußerst positiv. Ihrer Ansicht nach gelang es Iris Berben, die historischen Ereignisse auf bewegende und eindrucksvolle Weise lebendig werden zu lassen. Das Publikum wurde emotional tief berührt, und die Gedenkveranstaltung hätte nach Meinung der Autorin kaum wirkungsvoller gestaltet werden können.
16.03.2005: Mit sinnlicher Stimme begeistert sie das Publikum
Die Schauspielerin Hannelore Elsner las aus Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ vor.
In dem Roman geht es um den Geruchssinn. Hannelore Elsner wurde wegen ihrer besonders angenehmen und ausdrucksstarken Stimme für die Lesung ausgewählt. Sie begeisterte das Publikum, indem sie die Geschichte und die Beschreibungen der Düfte lebendig vorlas. Grenouille möchte Menschen durch Düfte Liebe einflößen. Eigentlich interessiert er sich aber nicht für Liebe, sondern ist besessen von Gerüchen. Da er keinen eigenen Körpergeruch hat, wird er von anderen Menschen kaum wahrgenommen und abgelehnt.Am Ende wird deutlich, dass Hannelore Elsner die perfekte Stimme für diese gefühlvolle Geschichte hatte.
11.12.2005: Satire unterm Tannenbaum: Dieter Hildebrandt begeistert im Wormser Theater
Am 11. Dezember 2005 wurde es im Wormser Theater kurz vor dem Fest ungewohnt scharfzüngig. Der legendäre Kabarettist Dieter Hildebrandt gastierte mit dem satirisch-heiteren Weihnachtskonzert „Oh, du Fröhliche!“ in der Nibelungenstadt und bescherte dem Publikum einen unvergesslichen Abend abseits klassischer Besinnlichkeit.
Hildebrandt, der Großmeister des deutschen politischen Kabaretts, sezierte mit gewohntem Wortwitz und ironischem Scharfblick die skurrilen Seiten des weihnachtlichen Festgebarens.
Musikalisch-satirisches Zusammenspiel
Begleitet wurde er an diesem Abend von dem renommierten Cellisten und Komponisten Werner Thomas-Mifune. Das Zusammenspiel aus Hildebrandts treffsicheren Pointen und den virtuosen, oft humorvollen musikalischen Einlagen bot eine perfekte Balance aus anspruchsvoller Satire und beschwingter
Unterhaltung.
Heiteres Familientreffen mit prominenter Besetzung im Wormser Theater
„Die Kimbim-Familie lebt“ begeisterte das Publikum
Worms, 10. März 2006. Mit viel Humor, pointierten Dialogen und bekannten Gesichtern gastierte die Münchner Kleine Komödie am Max II am Freitagabend im Wormser Theater. Auf dem Spielplan stand die turbulente Komödie „Die Kimbim-Familie lebt“, die dem Publikum einen vergnüglichen Theaterabend bereitete.
Bereits beim Betreten des Theaters war die Vorfreude spürbar. Die prominente Besetzung versprach beste Unterhaltung: Mitwirkende wie Ingrid Steeger, Horst Jüssen, Gisela Ferber, Wichart von Roëll und Martin Zuhr sorgten für Aufmerksamkeit und lockten zahlreiche Theaterfreunde in das Haus.
Die Komödie zeichnete mit viel Situationswitz und überraschenden Wendungen das Bild einer Familie, in der Chaos und Missverständnisse an der Tagesordnung sind. Pointierte Wortgefechte, liebevoll gezeichnete Charaktere und ein hohes Tempo sorgten für zahlreiche Lacher im Publikum. Besonders die erfahrenen Darsteller überzeugten durch ihre Spielfreude und das harmonische Zusammenspiel auf der Bühne.
Immer wieder honorierten die Zuschauer gelungene Szenen mit spontanem Applaus. Die Aufführung lebte von ihrem unterhaltsamen Mix aus Familiengeschichte, Verwechslungen und augenzwinkernder Gesellschaftskritik. Gerade die Nähe der Schauspieler zum Publikum verlieh dem Gastspiel einen besonderen Charme.
Nach dem Schlussapplaus ließen es sich einige Ensemblemitglieder nicht nehmen, Autogrammwünsche zu erfüllen und mit Besuchern ins Gespräch zu kommen. Die Einträge im Gästebuch dokumentieren die herzliche Verbindung zwischen Künstlern und Publikum. Besonders die Widmungen von Ingrid Steeger, Wichart von Roëll und Martin Zuhr erinnern bis heute an den gelungenen Theaterabend.
Gute Boulevardkomödien können auch nach vielen Jahren noch für beste Unterhaltung sorgen.
The Sense of Beauty – Der Sinn für Schönheit
Kunstausstellung von Axel Neumann im WORMSER | 8. bis 29. Juli 2017
Im Juli 2017 präsentierte der Künstler Axel Neumann im 800 m² großen Mozartsaal des WORMSER die Ausstellung „The Sense of Beauty“. Insgesamt 74 Exponate aus seinem Miltonzyklus und der Schwarzen Symphonie verwandelten den Raum in eine außergewöhnliche Bilderlandschaft.
Das Ausstellungskonzept sah vier Gemälde-Inseln vor, die gemeinsam ein Achteck bildeten. So entstand eine großzügige Rauminszenierung, in der Malerei und Architektur miteinander verschmolzen.
Im Mittelpunkt stand Neumanns Verständnis von Schönheit als einer grundlegenden menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit. Harmonie, Proportionen, der Goldene Schnitt, organische Formen und ausgewogene Farbkompositionen bilden für ihn wesentliche Elemente ästhetischer Wirkung. Die Bilder sollten nicht nur betrachtet, sondern emotional erlebt werden und individuelle Gedanken und Empfindungen auslösen.
Wie eindrucksvoll dies gelang, belegen die zahlreichen Besucherkommentare. Ein Gast schrieb: „So etwas Schönes, Emotionales, Tiefgründiges habe ich in meinem bisherigen fast 70-jährigen Leben noch nie gesehen.“ Andere beschrieben die Werke als kraftvoll, berührend und von innerer Wärme geprägt.
Mit „The Sense of Beauty“ setzte Axel Neumann einen besonderen künstlerischen Akzent im Wormser Kulturleben. Die Ausstellung war eine Einladung, innezuhalten, Schönheit bewusst wahrzunehmen und sich von der Kraft der Kunst berühren zu lassen.
Denn Schönheit beginnt dort, wo ein Mensch bereit ist, sie wahrzunehmen.
Stars 1966 - 2007 Auszüge aus den Gästebüchern des Wormser Theaters
Der schlichte und zurückhaltende Theaterbau der deutschen Nachkriegsmoderne wurde später als "herausragendes Beispiel zeitgenössischer Architektur" unter Denkmalschutz gestellt, ebenso wie die Blutbuche, die anlässlich der Wiedereröffnung gepflanzt wurde.
In den späten 1990er Jahren entstand die Debatte über einen Neubau, da ein großer Raum und modernisierte Ausstattung gefordert wurden. Im Mai 2004 wurde schließlich die Entscheidung für eine Kombination aus Sanierung des denkmalgeschützten Spiel- und Festhauses und dem Neubau eines Kultur- und Tagungszentrums getroffen.
Das renommierte Hamburger Architekturbüro gmp (Gerkan, Marg und Partner) erhielt den Auftrag für das Projekt. Die Grundsteinlegung fand fast 45 Jahre nach Beginn des letzten Umbaus am 22. Oktober 2008 statt. Die geschätzten Kosten für Um- und Neubau betrugen diesmal 45 Millionen €.
Schließlich, nach 121 Jahren, 2 Monaten und 9 Tagen seit der ersten Eröffnung, wurde DAS WORMSER am 29. Januar 2011 zum vierten Mal eröffnet.
05.11.2015 Treffen der Superstars im Wormser Theater
Im Vorfeld der Veranstaltung
Der damalige Geschäftsführer kannte Randy Newman nicht. Seine Reaktion auf unsere Idee, ihn nach Worms zu holen, fiel entsprechend unkompliziert aus: „Wenn ihr das machen wollt, dann macht es.“
Als der Name Randy Newman schließlich in den Medien und in der Presse auftauchte, wurden wir von den benachbarten Häusern zu dieser Verpflichtung beglückwünscht.
Am Vormittag des Veranstaltungstages klingelte dann mein Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Herbert Grönemeyer. Er fragte, ob es noch Eintrittskarten für das Konzert in Worms gebe. Das Konzert von Randy Newman am Vorabend in Berlin hatte er aus Termingründen nicht besuchen können. Nun wollte er die Gelegenheit nutzen, Randy Newman in Worms live zu erleben.
Sein Wunsch war dabei ganz bescheiden: Er bat um einen möglichst unauffälligen Platz im Zuschauerraum.
Doch die Nachricht, dass Herbert Grönemeyer zum Konzert kommen würde, sprach sich schnell herum. Auch Oberbürgermeister Michael Kissel erfuhr davon. Obwohl er ursprünglich gar nicht geplant hatte, das Konzert zu besuchen, kündigte er nun ebenfalls sein Kommen an – allerdings mit einer besonderen Bitte: Herbert Grönemeyer sollte neben ihm sitzen.
Die Fahrt von Frankfurt nach Worms
Oliver Mang und ich holten Randy Newman und dessen Management am Hotel Villa Kennedy in Frankfurt ab. Während der Fahrt unterhielten wir uns, und dabei stellte sich heraus, dass Randy Newman sich bereits über Worms informiert hatte. Er hatte einen ganz konkreten Wunsch: Er wollte gerne ein Schnitzel in der Schnitzelhütte essen.
Leider war Dienstag – und die Schnitzelhütte hatte Ruhetag.
Ein Schnitzel bekam er trotzdem, allerdings bei Hinz und Kunz.
Im Laufe der Fahrt fragte Randy Newman, warum er eigentlich in Frankfurt übernachten müsse. Viel lieber würde er nach dem Konzert mit uns zusammensitzen, sich unterhalten und ein Glas Wein trinken.
Oliver Mang erklärte ihm, dass im Vertrag ein Fünf-Sterne-plus-Hotel vereinbart worden sei und die Agentur ausdrücklich auf der Villa Kennedy bestanden habe.
Randy Newman entgegnete sinngemäß: „Ich kenne den Vertrag nicht.“
Dann drehte er sich um und warf seinem Management auf der Rückbank einen ziemlich bösen Blick zu.
Eine kleine, aber sehr aufschlussreiche Szene, die uns schon während der Anreise einen Eindruck von seiner unkomplizierten und persönlichen Art vermittelte.
Der Konzertabend
Am Abend waren Oliver Mang, der Leiter des Theaters, und ich im Theaterfoyer an der Abendkasse. Schließlich erschien Herbert Grönemeyer.
Oliver Mang fragte noch: „Darf ich?“ – doch da hatte er Herbert Grönemeyer bereits in die Arme geschlossen.
Seine Eintrittskarte bekam Herbert Grönemeyer trotzdem nicht für einen unauffälligen Platz am Rand, sondern direkt in der Saalmitte: Reihe 14, neben Oberbürgermeister Michael Kissel.
Die Begegnung hinter der Bühne
Nach dem Konzert trafen sich Herbert Grönemeyer und Randy Newman hinter der Bühne.
Oliver Mang kam etwa zehn Minuten später dazu. Er war von dem Erlebten noch immer sichtlich emotional bewegt.
Aus dem ursprünglichen Wunsch nach einem möglichst unauffälligen Konzertbesuch war damit doch noch eine kleine gesellschaftliche Begebenheit am Rande des Randy-Newman-Konzerts in Worms geworden.
Und für uns alle blieb es eine Begegnung, die weit über den eigentlichen Konzertabend hinaus in Erinnerung geblieben ist.
11. November 2016
50 Jahre ist es her, dass das Wormser Theater im Jahre 1966 seine Wiedereröffnung feierte. Seit dem ist viel passiert. Die gravierendste Veränderung dürfte wohl die Erweiterung zum Kultur- und Tagungszentrum 2008 gewesen sein und die damit verbundene Namensänderung in „Das Wormser“. Also bestand gleich mehrfach Grund zum Feiern.
Auszug aus meiner Autogrammsammlung "Stars im Wormser Theater"
Impressionen zum Wormser
PDF zur Ausstellung "125 Jahre Wormser Festhaus" 2014
Drohnenflug im Wormser